mit Holz verkleidetes Wohnhaus
Der Energieverbrauch steigt besonders in urbanen Zentren stark an, deshalb muss das Ziel mehr Energieeffizienz bei geringerem CO2-Ausstoß lauten. In der Seestadt Aspern wird deshalb an einer smarten, ressourcen- und umweltschonenden Energieversorgung auf Basis dezentraler Erzeugung gearbeitet.
Infrastruktur
3 min

Smarte Forschung in der Seestadt Aspern

Robert Grüneis, Co-GF ASCR, im Interview über intelligente Gebäude, Energieeffizienz und das Stromnetz der Zukunft.

Die Forschungsgesellschaft Aspern Smart City Research (ASCR) betreibt in der Wiener Seestadt ein Testfeld zur städtischen Energieversorgung der Zukunft. Mag. Robert Grüneis, einer der Geschäftsführer der ASCR, erklärt im Interview, wie intelligente Gebäude Energie sparen, das Stromnetz der Zukunft funktioniert und wie Bewohner von Städten davon profitieren.

Welche Herausforderungen bringt die Energiezukunft für unsere Städte?

Der Energieverbrauch steigt – besonders in den urbanen Zentren. Das Ziel muss daher lauten: Mehr Energieeffizienz bei weniger CO2-Ausstoß. Mit anderen Worten arbeiten wir in der Seestadt an einer smarten, ressourcen- und umweltschonenden Energieversorgung auf Basis dezentraler Erzeugung. Für unsere Enkelkinder wird es selbstverständlich sein, dass Gebäude je nach Wetter automatisch kühlen oder heizen, dass Stromnetze intelligent miteinander kommunizieren und wir unseren Energieverbrauch vom Handy aus steuern.

Was macht das Forschungsprojekt ASCR so einzigartig?

Einerseits ist es die Kooperation der unterschiedlichen Unternehmen Siemens, Wien Energie, Wiener Netze, Wirtschaftsagentur Wien und der Entwicklungsgesellschaft von aspern Seestadt. Die vier Ebenen der Forschung sind: Gebäude, Stromnetz, Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und Energieverbraucher. Gemeinsam können wir alle diese Komponenten des Energiesystems beleuchten und das große Ganze besser verstehen. Andererseits haben wir in der Seestadt die Besonderheit, dass wir mit Echtdaten arbeiten können; von den Daten aus dem Niederspannungsstrom- netz über Informationen aus der technischen Infrastruktur der Gebäude bis zu den Energie-Verbrauchsdaten der Bewohner. Zusätzlich spielt die Wetterprognose für die vorausschauende Planung eine wichtige Rolle. Hier findet also Forschung im realen Leben mit realen Usern statt. Um die enormen Datenströme auch optimal auswerten zu können, werden in der ASCR verschiedene Big-Data-Modelle angewendet.

Welche Rolle spielen die Bewohner? Wie profitieren sie von der Forschungsarbeit?

Die Zusammenarbeit mit den Bewohnern ist eine besonders wichtige Komponente der Forschungsarbeit. Denn schlussendlich hängt es von den Nutzungsgewohnheiten der Menschen ab, wie viel Energie ein Gebäude benötigt. Am Forschungsprogramm nehmen 111 Haushalte teil, die sich ausdrücklich damit einverstanden erklären, dass ihre Energieverbrauchs- und Raumregelungsdaten – das betrifft zum Beispiel Strom, Warm- und Kaltwasser, Zimmertemperatur, Raumluftqualität – für Forschungszwecke verwendet werden. Datenschutz ist dafür natürlich eine der Grundvoraussetzungen.

Seit Anfang des Jahres stellen wir den Bewohnern eine von der ASCR entwickelte Smart Home Control App zur Verfügung. So ist es möglich, den Energieverbrauch auch am Smartphone oder Tablet zu kontrollieren und zu steuern – egal ob man gerade zu Hause ist oder unterwegs. Die mobile Anwendung bringt nicht nur einen Komfortgewinn für die User, sondern auch wichtige Erkenntnisse für die Energieforschung. Wir wollen schließlich wissen, ob die entwickelten Technologien alltagstauglich sind. Seit dem Sommer 2017 gibt es für die teilnehmenden Haushalte zusätzlich die Möglichkeit, neue Stromtarife auszuprobieren, die auf Basis der Forschung entwickelt wurden. Unser Ziel ist es, die Menschen mit Bewusstseinsbildung und Anreizsystemen zu einem nachhaltigen, kosten- und energieeffizienten Nutzungsverhalten zu motivieren.

Die ASCR forscht in Aspern anhand dreier Gebäude. Welche Besonderheiten haben diese Häuser?

Unsere drei Forschungsobjekte, eine Wohnhausanlage, ein Studierendenheim und der Schulcampus, wurden mit unterschiedlichen Technologie-Komponenten ausgestattet. Zum Beispiel Photovoltaik- und Solarthermieanlagen, Wärmepumpen und verschiedene Speicherlösungen. Hinzu kommt jede Menge Infrastruktur für Informations- und Kommunikationstechnologie. Ein Großteil des Energiebedarfs wird also direkt vor Ort erzeugt. Unser Ziel ist es, möglichst viel über die unterschiedlichen technischen Kombinationen zu lernen. So finden wir heraus, wie Erzeugung und Verbrauch im Gesamtgebäude optimiert werden können. Das Stichwort dazu ist „vorausschauende Gebäudeautomatisierung“. Darüber hinaus erforschen wir das Potenzial der Gebäude, flexibel Energie zu produzieren und diese auch ins Netz einzuspeisen. Gebäude werden also in Zukunft aktive Player am Strommarkt sein.

Auch die Stromnetze der Zukunft sollen „smart“ werden. Wie können wir uns das vorstellen?

Erneuerbare Energieträger spielen in Zukunft eine immer größere Rolle. Nicht mehr einige wenige große Kraftwerke versorgen ein Land, sondern die Energie wird zunehmend dezentral erzeugt. Zum Beispiel durch Photovoltaikanlagen, Windräder oder Kleinwasserkraftwerke. In ganz Europa muss die Strominfrastruktur an die neuen Anforderungen angepasst werden. Ein intelligentes Niederspannungsnetz – ein sogenanntes „smart Grid“ – und neue Speichermethoden spielen deshalb eine immer größere Rolle. Die ASCR erforscht dieses neuartige Stromnetz, das mit den Komponenten Erzeugung, Verbrauch und Speicher interagiert. Wir wollen das Niederspannungsnetz von einem statischen zu einem dynamischen, kostengünstigen Netz entwickeln.

Weitere Informationen:
Mehr Informationen zur ASCRDieses Interview erschien im Magazin „Wien in Arbeit“ der Urban Innovation Vienna GmbH.In Kooperation mit der Siemens Partner Info
Aktueller Blogbeitrag zur Forschung in Aspern
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