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Gebäude
3 min

Virtuelle Bauplanung

Building Information Modeling ist eine digitale Arbeitsmethode, die jetzt schon die Bauindustrie revolutioniert.

Die Städte der Welt stehen vor vielen Herausforderungen. In den meisten Fällen sind sie zu alt, zu beengt, zu laut, zu behäbig, und sie gehen zu verschwenderisch mit ihren Ressourcen um. Da ihre Infrastrukturen häufig unzureichend sind und sie damit ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit nicht fördern können, sind Städte für die Zukunft schlecht gerüstet. Im Jahr 2050, so die Prognose der Vereinten Nationen, werden 66 Prozent der Weltbevölkerung in Städten und urbanen Ballungsräumen leben. Die Stadt muss sich also rüsten; Bauindustrie, Stadtplaner und Architekten müssen umdenken, wenn sie mit dieser rasanten Entwicklung Schritt halten und die Städte für die Zukunft wappnen wollen.
Die Lösung für diese Herausforderungen existiert bereits. Sie heißt BIM. Diese Abkürzung steht für „Building Information Modeling“. Damit bezeichnet man eine digitale, computergestützte Methodik, die mit dreidimensionalen Modellen eine virtuelle Planungsphase vor Beginn des eigentlichen Bauprojektes ermöglicht. BIM soll das Bauen schneller, sicherer, kostengünstiger, umweltverträglicher und vor allem besser machen. BIM soll helfen, Fehlerquellen bereits während der Planung zu identifizieren und auszuschalten. Im Idealfall werden alle Aspekte eines Gebäudes, einschließlich des Energie-, Abfall- und Brandschutzmanagements, künftig vollständig virtuell am Computer geplant, bevor die Konstruktion beginnt. Die so aufbereiteten Daten lassen sich außerdem dafür nutzen, den Betrieb und die Wartung zu planen und zu managen – und zwar über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Die Methodik wird bereits seit langem bei der Konstruktion von Schiffen und in der Automobilindustrie angewandt. Aber dank der revolutionären Entwicklung in der IT- und Digital-Technik findet sie seit zehn Jahren auch in der Bauindustrie Anwendung. Weltweit finden Konferenzen zu BIM und zur Stadt der Zukunft statt. Softwareentwickler und Generalunternehmer haben den BIM-Markt längst für sich entdeckt. Länder wie die USA, die Niederlande, Norwegen, Großbritannien oder Deutschland und auch die EU selbst treiben BIM politisch voran und wollen die Methodik in den nächsten Jahren als Standard einführen – beim Bau von Gebäuden oder Projekten wie Tunneln oder Verkehrsprojekten, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden.

Aus 2D wird 3D

„Im Moment sind wir international soweit, dass wir beginnen, die Planung von Gebäuden gesamtheitlich zu verstehen“, sagt Wolfgang Hass. Der Programm-Manager in der Abteilung BIM Technologies bei Siemens beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit den Fragen der Energieeffizienz beim Bauen, mit intelligenten Gebäuden und mit BIM. „Wir brauchen BIM, damit wir mit den kommenden Herausforderungen in der Stadt Schritt halten können.“ In der Zukunft wird immer mehr Altbestand in den Stadtzentren abgerissen oder modernisiert werden. Die Baustellen sind laut und dreckig, sie verursachen alle möglichen logistischen Probleme für die Stadt und kosten somit viel Geld. Umgekehrt kann man daher mit der Optimierung der Bauzeit hohe Summen einsparen. Für Hass ist der nächste logische Schritt, auch die Stadt gesamtheitlich zu verstehen, wie auch die städtische Infrastruktur und die Stadtplanung. Und das lasse sich nur mit BIM bewerkstelligen. Es gibt in Europa sehr viel alte Bausubstanz und unerforschten Untergrund; hierzu liegen kaum Daten vor – ganz im Gegensatz zu der Vielfalt an Informationen über die Lage von Rohren, Kabelkanälen oder Abwassersystemen. Hass gibt zu bedenken, dass man nicht alle Daten im Nachhinein erfassen könne. „Der Idealfall wäre ein Modell, in dem man all die relevanten Daten abrufen kann. Aber heute stehen die Städte vor der Frage, wie viel Geld sie investieren wollen, um aus den vorhandenen 2D-Plänen aussagekräftige 3D-Pläne zu machen.“ Und Hass ist überzeugt: „Bei dieser Frage wird man erst mal Kompromisse machen müssen, um einen akzeptablen Effekt mit BIM erzielen zu können.“ Singapur zum Beispiel ist eine Stadt, für die BIM eine überlebenswichtige Rolle spielt, weil sie nur über einen begrenzten geographischen Raum für die künftige Stadtentwicklung verfügt und damit sehr effizient planen muss. Bauherren und Auftragnehmer in dem Stadtstaat sind deswegen heute schon gefordert, bestimmte Daten zu einem Gebäude an einen Stadtserver zu liefern.

Weitere Informationen:
hi!tech 3/16Siemens BIM
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