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Gemeinsam mit Daimler oder IBM startet Siemens eine schlagkräftige globale Initiative: Zukunftsprodukte aller Partnerunternehmen sollen ab sofort nach ambitionierten Cybersecurity-Prinzipien designt und umgesetzt werden.
Industrie
4 min

Für eine sichere digitale Welt

Globale Initiative will Produkte nach ambitionierten Cybersecurity-Prinzipien designen und umsetzen.

Mit der Charter of Trust hebt Siemens das Thema Cybersecurity auf eine neue Ebene. Gemeinsam mit Daimler oder IBM startet eine schlagkräftige globale Initiative: Zukunftsprodukte aller Partnerunternehmen sollen ab sofort nach ambitionierten Cybersecurity-Prinzipien designt und umgesetzt werden. Wie, das erklären Eva Schulz-Kamm, Leiterin Government Affairs, und Natalia Oropeza, Leiterin der neuen Abteilung Cybersecurity, im Interview.

Siemens betont immer, Cybersecurity habe oberste Priorität für das Unternehmen. Warum ist das Thema so wichtig?

Natalia Oropeza:
 Ob Roboter in der Produktion, medizinische Geräte oder Stromnetze – heute ist alles vernetzt. Das Risiko eines Datenklaus oder einer Datenmanipulation steigt ständig. In drei Jahren werden mehr als 20 Milliarden Geräte im Internet der Dinge verbunden sein. Die für uns so lukrative Digitalisierung ist nur erfolgreich, wenn Kunden auf die Integrität der Daten bauen können.

Eva Schulz-Kamm: Die Bedrohung für uns ist die eine Seite. Auf der anderen Seite haben wir auch die große Chance, das Geschäft deutlich zu erweitern. Unsere Kunden sind bei der Digitalisierung oft noch vorsichtig. Zu Recht, denn aktuell fehlt es an international verbindlichen Regeln für Cybersecurity. Das wollen wir jetzt ändern: Wir als Topanbieter für sichere Produkte für Industrie 4.0, Mobilität oder Medizintechnik haben eine globale Initiative gestartet, damit sich Vertrauen in das Internet der Dinge auf breiter Basis etablieren kann.

Wie baut Siemens Vertrauen auf?

Schulz-Kamm:
 Zunächst, indem wir selbst absolut transparent sind, was kritische Vorfälle betrifft. Aber wir wollen stärker nach vorn schauen: Cybersecurity ist ein komplexes und anspruchsvolles Thema. Wir sind mit vielen Geschäften erfolgreich am Markt wie zum Beispiel Plant Security Services, wo wir Risiken in Fabriken analysieren und Sicherheitsmaßnahmen umsetzen, oder unsere Cybersecurity Services für Energieversorger oder Netzbetreiber. Diese Best Practices wollen wir mit einer Community teilen, aber auch wir wollen weiter dazulernen. Bislang gibt es in der Industrie nur einige Inseln des Vertrauens, die wollen wir nun in einem mutigen Schritt verbinden. Dabei warten wir nicht auf regulatorische Eingriffe oder Standardisierung. Wir nehmen das Heft selbst in die Hand und werden ein Spielfeld schaffen, auf dem für alle dieselben Regeln gelten.

Und das heißt konkret?

Schulz-Kamm: … dass wir gemeinsam mit starken Partnern eine Charter of Trust entworfen haben, die Cybersecurity international auf eine neue, viel umfassendere Grundlage stellt. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz stellen wir zehn elementare, verbindliche Prinzipen vor, zu der sich die Unterzeichner verpflichten. Das sind Grundpfeiler, die eine Charta des Vertrauens zwischen Gesellschaft, Politik, Geschäftspartnern und Kunden etablieren sollen.

Oropeza: Und Siemens ist Initiator dieser Charta! Ich bin erst seit Kurzem bei Siemens und habe noch den Blick von außen. Ich finde es toll, dass das Unternehmen diesen mutigen und entschlossenen Schritt geht. Das ist eine große Chance, das enorme Know-how bei Cybersecurity zu verbreitern.

Welche Partner sind bisher an Bord?

Schulz-Kamm: Unter anderem Airbus, die Allianz, Daimler, IBM, die Deutsche Telekom und die Münchner Sicherheitskonferenz. Die Charter ist offen für alle Unternehmen und auch Regierungen.

Frau Oropeza, Sie haben viele Jahre bei Volkswagen gearbeitet. Was reizt Sie besonders an Siemens? 

Oropeza:
 Schon in den ersten Wochen habe ich gesehen, welche einzigartige Expertise wir bei Siemens haben. Wir haben sowohl Experten für alle Branchen als auch Spezialisten für Cybersecurity. Es reizt mich, den Schutz unserer Produkte weiterzuentwickeln. Dazu gehört beispielsweise auch, das nächste Level bei den Verschlüsselungstechnologien zu erreichen. Das ist für mich sehr spannend, hier an vorderster Front dabei zu sein.

Sie leiten die neue Abteilung Cybersecurity, die es seit 1. Januar gibt. Was haben Sie sich vorgenommen?

Oropeza: Das Thema ist nichts Neues bei Siemens, wir engagieren uns hier seit 30 Jahren. Wir sind in den Geschäftseinheiten und in unserer Forschung sehr gut aufgestellt. Aber die Aktivitäten sind auf verschiedene Schultern verteilt. Diese Teile werde ich zunächst sinnvoll anordnen. Dann geht es darum, was wir bei Cybersecurity verbessern können, um das Feld weiterzuentwickeln und zu wachsen. Wir wollen schließlich auch geschäftlich mit neuen Services und Produkten führend sein.

Schulz-Kamm (schmunzelt): Außerdem erfüllen wir mit der neuen Position des Chief Information Security Officers (CISO) auch eine unserer eigenen Forderungen der Charter of Trust.

Was sind weitere wichtige Punkte der Charter?

Schulz-Kamm: Natürlich sind alle zehn Punkte wichtig, aber mein Favorit ist das Thema Verantwortung entlang der digitalen Lieferkette. Hier äußern wir uns sehr klar und treten couragiert auf – von reinen Absichtserklärungen, wie man sie häufig antrifft, halten wir nichts. Wir wollen risikobasierte Regeln mit definierten, verpflichtenden Schutzanforderungen für das Internet der Dinge. Das bedeutet straffes Identitäts- und Zugangsmanagement, sichere Verschlüsselung und vor allem einen kontinuierlichen Schutz über einen angemessenen Lebenszyklus des Produkts.

Oropeza: Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung als IT-Expertin kann ich sagen: Eine solche Klarheit, wie sie in der Charter formuliert ist, hat es so bisher noch nicht gegeben.

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