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Studierende arbeiten an der Versuchsbrauanlage
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Versuchsbrauerei an der Fachhochschule

Durch eine Versuchsbrauanlage können FH-Studierende eine moderne Prozessindustrieanlage samt Automatisierungs- und Steuertechnik hautnah erleben.

Digitale Transformation

10.10.2023

Lesezeit 5 Min

Siemens

Die FH Campus Wien bietet Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Masterlehrgänge und akademische Lehrgänge in unterschiedlichen Departments. Im Department Applied Life Sciences ist Michael Maurer für die Studiengänge Bioengineering, Bioinformatik, Biotechnologisches Qualitätsmanagement und Bioverfahrenstechnik zuständig. In seinem „Scientific Brewhouse“ vermittelt er wichtiges Prozesswissen, indem er Studierende mit einer Versuchsbrauerei auf Basis Industrie 4.0 ausbildet. Unterstützt wird der FH-Professor bei seinem Angebot, das bei den Studierenden auf rege Teilnahme stößt, durch den Anlagenbauer MAVIM und das Technologieunternehmen Siemens.

Bierbrauen ist seit einem geförderten Projekt der MA23 aus dem Jahr 2013 fixer Bestandteil des Curriculums im Fachbereich Bioengineering. Mit der Übersiedlung zum neuen Standort am Alten Landgut im 10. Wiener Gemeindebezirk konnte aufgrund des erweiterten Platzangebots das „Scientific Brewhouse“ auf einer Fläche von 120 m2 realisiert werden. Dabei handelt es sich um eine 150-Liter-Versuchsbrauanlage, die ein Zwei-Geräte-Sudhaus mit Maisch- bzw. Sudpfanne und Läuterbottich, Wärmetauscher, insgesamt vier Gärtanks sowie ein Labor für die Prozessentwicklung und Qualitätskontrolle umfasst. „Unsere neue Anlage, die wir unseren Studierenden dank der Unterstützung von MAVIM und Siemens anbieten können, ist seit dem Wintersemester 2022/23 in Betrieb“, freut sich Maurer.

Auf bildungsrelevantem Niveau

Laut dem FH-Professor sorgt die „Versuchsbraukunst“ nicht nur für Spaß und Prestige – Studierende der FH Campus Wien haben mit ihren Bierkreationen bereits Staats- und Vizestaatsmeistertitel eingefahren – sie ist zudem auch ein ideales Vehikel, um den Studierenden unterschiedliche Prozesse beizubringen. Das Spektrum reicht dabei vom Anlagenbau – die Errichtung wurde etwa mittels Bachelorarbeiten geplant – bis hin zur Prozessentwicklung und beinhaltet dabei auch Themen wie Qualitätsmanagement, Betriebshygiene und Analytik in der Qualitätskontrolle. „Natürlich verfügen auch andere Bildungseinrichtungen über Versuchsanlagen“, räumt Michael Maurer ein, „von diesen unterscheiden wir uns allerdings durch den Grad an Digitalisierung. Damit gewährleisten wir Wissensvermittlung auf dem neuesten Stand und auf einem bildungsrelevanten Niveau. Ermöglicht hat uns das Siemens mit BRAUMAT, der Steuerungs- und Automatisierungssoftware für Brauereien.“

„Mit BRAUMAT automatisieren wir seit über 40 Jahren Brauereien aller Größen im In- und Ausland“, erklärt Thomas Felkel, Sales Specialist für BRAUMAT bei Siemens. Er wurde über eine Kollegin aus dem Bereich Pharma auf die Versuchsbrauanlage der FH Campus Wien aufmerksam, womit erneut bewiesen wird, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit nicht nur für den Wissenschaftsbetrieb, sondern auch für Unternehmen von großer Bedeutung ist.

Für jeden (Brau-)Einsatz

Für Thomas Felkel sprechen unterschiedliche Vorteile eindeutig für BRAUMAT: „BRAUMAT, und das ist ganz wichtig, ist ein Standardprodukt und keine Insellösung. Der Kunde ist somit bei der nachfolgenden Ausprogrammierung nicht auf einen bestimmten Programmierer angewiesen, sondern genießt bei der Lieferantenwahl maximale Flexibilität. Zweitens, und das, obwohl BRAUMAT über umfangreiche und starke Features verfügt, es handelt es sich hier um eine robuste Software, die bereits auf kleiner Hardware läuft und nicht ressourcenintensiv ist.“ Nach weiteren Vorteilen befragt, verweist der Sales Specialist auf den globalen Support, die Beständigkeit des Produkts – BRAUMAT ist seit mehr als 40 Jahren erfolgreich im Einsatz – sowie auf die Skalierbarkeit: „Mit BRAUMAT lassen sich sowohl ganz kleine Brauereien wie eben die Versuchsbrauanlage an der FH Campus Wien, bis hin zu ganz großen Brauereiunternehmen digitalisieren und automatisieren.“

© Siemens

v.l.n.r.: Michael Geissler vom Anlagenbauer MAVIM, FH-Professor Michael Maurer und BRAUMAT-Sales Specialist Thomas Felkel erkunden die Visualisierungsmöglichkeiten von BRAUMAT, um etwa einen Chargenprozess nachvollziehen zu können. 


Für die Studierenden an der FH Campus Wien sind zweifellos die zahlreichen Features von BRAUMAT, mit denen Bier brauen auf Basis von Industrie 4.0 gelingt, von großem Interesse. Dazu gehört etwa die Visualisierung des gesamten Chargenprozesses – von der Malzeinlage bis zur Abfüllung sowie die Handbedienebene, mit der sämtliche Ventile, Motoren, Regler etc. parametriert und bedient werden können, beispielsweise für unterschiedliche Kühlstrategien.

Digitaler Zwilling als Wissensvermittler

„Mit BRAUMAT schaffen wir einen digitalen Zwilling unserer Versuchsbrauanlage, die zu einem verbesserten Prozessverständnis bei gleichzeitiger Experimentersparnis und aufgrund der verbauten Sensorik zu einem voll durchleuchteten und somit nachvollziehbaren Prozessablauf beiträgt“, fasst FH-Professor Michael Maurer zusammen, „darüber hinaus erleben unsere Studierenden eine moderne Prozessindustrieanlage hautnah, die durchaus mit ihren Gegenstücken aus der Pharmaindustrie vergleichbar ist. Die Studierenden machen sich von Anfang an mit Automatisierungs- und Steuertechnik vertraut, die sie auch nach ihrem Studienabschluss maßgeblich begleiten wird. Und dank BRAUMAT lassen sich all diese Aspekte beim Brauen von Bier mit einer bisher noch nie dagewesenen Rezeptgenauigkeit und -nachvollziehbarkeit erlernen.“

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