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Der Daniel Düsentrieb von Siemens

Siemens-Mitarbeiter Lukas Mayer, Principal Key Expert bei Siemens Technology, im Portrait.

Forschung & Entwicklung

01.02.2023

Lesezeit 6 Min

Siemens

Kolleginnen und Kollegen beschreiben ihn als „genialen Tüftler“, er selbst sagt von sich, er sei „begeisterter Bastler“: Wer mit Lukas Mayer spricht, hat das Gefühl, einen Daniel Düsentrieb aus Fleisch und Blut vor sich zu haben. Man spürt förmlich, wie in seinem Kopf laufend neue Ideen und Innovationen an Form gewinnen. Ihm selbst machen das Erfinden und das Basteln einfach Spaß, erzählt Mayer: „Es freut mich, wenn wir uns bei einer neuen Technologie einbringen und Erfolge erzielen können.“ Zahlreiche Erfindungen bei Siemens stammen aus der Feder von Mayer und sorgen dafür, dass Siemens zu den in Sachen Innovation weltweit führenden Firmen zählt. Seit mehr als zehn Jahren treibt er als Research Scientist nun schon Innovation bei Siemens voran – und kann sich nichts Schöneres vorstellen. „Speziell für Technikerinnen und Techniker herrscht im Unternehmen eine enorme Wertschätzung. Wir haben die Gelegenheit, technologisch immer an vorderster Front mitzugestalten.“ Vor allem anspruchsvolle Themen haben es dem leidenschaftlichen Bastler angetan: „Es macht mir Spaß, mir neue Technologien anzueignen“, erzählt der Wiener. „Immer neue Herausforderungen in den Griff zu bekommen, kann sehr befriedigend sein.“

Innovationen entstehen an Schnittstellen

Ideen und Einsichten entstünden dabei hauptsächlich im Austausch mit anderen Expertinnen und Experten, so Mayer: „Entgegen dem Vorurteil, dass man unter der Dusche oder allein vorm Computer den Heureka-Moment hat, ergeben sich Innovationen meiner Erfahrung nach an den Schnittstellen zwischen Technologien. Dort, wo das Wissen des einen aufhört und das Wissen des anderen anfängt, findet man die besten Ideen.“ Dass diese keine reine Theorie bleiben, dafür sorgt Mayer selbst: Er testet seine Einfälle an selbst gebauten Prototypen im Labor. „Durch Herumprobieren entdeckt man oft neue Dinge. Und im direkten Experiment sieht man sofort, ob das, was man sich überlegt hat, auch funktioniert oder ob man nochmal zurück zum Reißbrett muss.“ In kürzester Zeit von der Idee zum fertigen Produkt hat es Mayers prominenteste Innovation geschafft, für die der Tüftler gemeinsam mit seinen Kollegen 2018 sogar als „Erfinder des Jahres“ bei Siemens ausgezeichnet wurde: Die Idee für die funkdurchlässigen Fensterscheiben in Zügen ist dem Team „buchstäblich in der Kaffeepause gekommen“, lacht Mayer. „Wir haben für eine Notlage unseres Kunden eine elegante und kostengünstige Lösung gefunden, die einiges an Kopfschmerzen erspart und in Zügen enorme Vorteile für Betrieb und Energieverbrauch bringt.“

Vordenker vernetzter Technologien

Als begeisterter Tüftler hat Mayer bei Siemens ein ideales Umfeld gefunden: Neben der täglichen Arbeit an seinen Projekten ist er seit kurzem als „Principal Key Expert“ auch dafür zuständig, sich mit Innovationen der Zukunft auseinanderzusetzen. „Meine Aufgabe besteht darin, vorzudenken. Also zu überlegen, welche Technologien innerhalb der nächsten Jahre und Jahrzehnte interessant sein könnten, und einzuschätzen, welche dieser Themen für Siemens relevant werden.“ Gemeinsam mit anderen Fachleuten tauscht er sich nun regelmäßig zu Markt- und Produktentwicklungen aus: „Es geht um eine Vernetzung verschiedener Technologien. Gerade die Funktechnologie ist eine Schlüsseltechnologie beim Thema Digitalisierung, weil man damit auch kabellose Gegenstände in die digitale Transformation einbindet.“ In der Interaktion mit anderen Fachbereichen ergeben sich so Entwicklungen und Produkte, die Siemens an vorderster Stelle am Markt halten, sagt Mayer. Innovationen entstehen bei Siemens aber nicht nur beim Vordenken, sondern auch aus praktischen Einfällen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, erzählt Mayer: „Bei uns lassen sich Vorgesetzte mit guten Argumenten leicht von neuen Ideen überzeugen.“ Außerdem gebe es zahlreiche Initiativen, wo man eigene Ideen ausprobieren könne: So fördere neben zahlreichen Wettbewerben und Hackathons auch ein internes Ideenportal im Crowdfunding-Stil interne Ideen. „Wer mit einer guten Idee überzeugt, bekommt Arbeitsstunden und Budget, um sein Projekt umzusetzen“, so Mayer. „Es ist schon vorgekommen, dass aus solchen Projekten größere Forschungsthemen wurden.“

Es geht um eine Vernetzung verschiedener Technologien. Gerade die Funktechnologie ist eine Schlüsseltechnologie beim Thema Digitalisierung, weil man damit auch kabellose Gegenstände in die digitale Transformation einbindet.

Lukas Mayer, Principal Key Expert, Siemens Technology

Einfach und praktikabel, nachhaltig und sicher

Er selbst achtet bei seinen Erfindungen immer auf eine gewisse Eleganz. „Komplizierte Workarounds können andere auch. Meine Lösungen sollen sich durch Einfachheit und Praktikabilität auszeichnen – das macht den Charme aus.“ Nachhaltigkeit und Sicherheit sind dabei Herausforderungen, denen er sich besonders gerne widmet, denn: „Nur wenn die Qualität stimmt, ist auch eine effiziente und nachhaltige Fertigung möglich. Dafür müssen Anlagen stabil laufen und Netze zuverlässig funktionieren.“ Als leidenschaftlicher DIY-Experte bringt er alte Dinge gerne wieder in Schuss, verrät er. „Vom Wasserkocher über Werkzeuge bis hin zu Maschinen, als Bastler kann ich auch Sachen vom Schrottplatz wieder zum Laufen bringen.“ Erst vor kurzem habe er sich mit gebrauchten Solarzellen eine Solaranlage gebaut: „Die haben bei mir am Dach ein neues Zuhause gefunden – und liefern mir die nächsten Jahrzehnte umweltfreundlichen Strom.“ In nächster Zeit wird er den allerdings wenig brauchen: Für ihn und seine Familie geht es zwei Monate nach Bali. „Ich schätze es sehr an Siemens, dass mir diese Flexibilität gewährt wird, gerade solange die Kinder noch klein sein“, sagt er. „Ich kann mir nicht nur meine Arbeit relativ frei einteilen, sondern habe auch genug Zeit für Privatleben und Familie.“ Er habe sich zwar fest vorgenommen, in seiner Zeit auf Bali nicht zu arbeiten, schmunzelt er. „Den einen oder anderen Einfall könnte ich dort aber trotzdem haben.“