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Digitalisierung zum Anfassen: LIT Factory in Linz

Wir haben die Pilotfabrik in Linz, die sogenannte „LIT Factory“, am Campus der Johannes Kepler Universität besucht.

Digitale Transformation

12.11.2021

Lesezeit 3 Min

Michael Heiss

Die industrielle Produktion wird in Zukunft schneller, flexibler, individueller, kostengünstiger, sicherer, energiesparender und umweltfreundlich sein. In den Pilotfabriken entwickelt wir gemeinsam mit anderen Partnern und technischen Universitäten Zukunftslösungen für die Industrieproduktion. Wir haben die Pilotfabrik in Linz, die sogenannte „LIT Factory„, am Campus der Johannes Kepler Universität besucht. Sehen Sie hier ein Video.

Die LIT Factory wurde gemeinsam mit 25 Industriepartnern und der JKU errichtet und beschäftigt sich als smarte verfahrenstechnische Industrie 4.0 Forschungsfabrik mit der Digitalen Transformation von Kunststoffverarbeitungsprozessen – von der Bauteilentwicklung bis zur Wiederverwertung von Kunststoffen. Ein Schwerpunkt ist dabei die Entwicklung und Fertigung wiederverwertbarer endlosfaserverstärkter Leichtbauteile für Anwendungen z.B. im Bereich einer energieeffizienten Mobilität, in der Medizintechnik, im Maschinen- und Roboterbau sowie bei Sportgeräten. Um trotz Leichtbau herausragende mechanische Eigenschaften zu erhalten, werden diese Bauteile maßgeschneidert mittels sogenannter unidirektional-faserverstärkten Tapes in mehreren Schichten aufgebaut. Die Produktionsprozesse von solchen Verbundwerkbauteilen sind deutlich komplexer als jene aus homogenen Kunststoffen. Neben dem Leichtbau und den damit verbundenen Optimierungsbestrebungen ist die Forschung an der Kreislaufwirtschaft ein zentrales Thema in der LIT Factory. Eine hochmoderne Recyclinganlage macht aus Kunststoffabfällen neue wertvolle Rohstoffe. 

Um die komplexen Produktionsprozesse zu optimieren, werden digitale Zwillinge der Anlagen entwickelt. Dazu werden Messdaten benötigt, die mit modernsten Inline-Messverfahren aufgezeichnet werden. Die entstehenden großen Datenmengen werden einerseits für Forschungszwecke in eine hoch performante Cloud gespeichert. Andererseits werden die hochfrequenten Daten möglichst nahe bei der Maschine vorverarbeitet (Edge Computing) und nur die Kennwerte werden in die Cloud übertragen. 
 
Wir engagieren uns in dieser Pilotfabrik mit einem Schwerpunkt auf Hightech-Simulationstechnologien: von Finiten-Elementen-Technologien für die Festigkeits- und Schwingungssimulation, über die Simulation der Eigenschaften von zähflüssigen Kunststoffschmelzen während des Produktionsprozesses, der dynamischen Multi-Physik-Simulation, bis zum idealen Platzieren der Faserbänder um die gewünschten Materialeigenschaften zu erhalten; darüber hinaus auch bei Optimierungs-Tools für das automatische Verbessern der Konstruktion und Fertigung der faserverstärkten Composite-Bauteile, der vorausschauenden Fehlerkennung und Wartung (Predictive Maintenance) von Leistungsantrieben via Edge/Cloud-Computing, bis hin zum Überwachen und Optimieren der Energieeffizienz; zusätzlich an der Zusammenschaltung aller drei Pilotfabriken zu einer virtuellen gemeinsamen Fabrik via MindSphere.

Über den Autor

Michael Heiss
Michael Heiss ist Principal Consultant für Digital Enterprise bei der Siemens AG Österreich und Honorarprofessor für Innovations- und Technologiemanagement an der TU-Wien.