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Kurz, kürzer, Time-to-Market

Im Zuge des Gainer Industriefestivals spricht Harald Loos, Leiter Technology Siemens Österreich, über die Verkürzung des Time-to-Market und mehr.

Digitale Transformation

21.11.2019

Lesezeit 3 Min

Siemens

Was bedeutet „Time-to-Market“?

Harald Loos: Nur Unternehmen, die über schnelle Entwicklungsprozesse und eine anpassungsfähige und effiziente Fertigung verfügen, können neue Produkte schnell auf den Markt bringen und den qualitativen Ansprüchen ihrer Kunden genügen. Damit das gelingt, müssen Infrastruktur- und Produktionssysteme verstärkt digitalisiert und vernetzt werden. In der Aspern Smart City Research GmbH und in der Pilotfabrik Industrie 4.0 in der Seestadt Aspern arbeiten wir gemeinsam mit unseren Kunden und Forschungspartnern an der Infrastruktur und Industrie von morgen. In diesen Living Labs werden an realen Infrastrukturlösungen, Industriemaschinen und Logistiksystemen neue Entwicklungen getestet und mit direktem Kundenfeedback erprobt. 

Was genau ist in Aspern zu sehen?

Wir zeigen, wie Digitalisierung in der Praxis funktioniert. In der Energie- und Gebäudeinfrastruktur erproben wir Lösungen für dezentrale Energiesysteme. Im industriellen Produktionsprozess geht es darum, alle Schritte, von der individuellen Konfiguration und Bestellung eines Produkts über konstruktive Anpassungen bis hin zur Teilefertigung und Montage, automatisch miteinander zu verknüpfen.

Den entscheidenden Unterschied macht die gemeinsame Erprobung mit unseren Kunden und Endkunden in der Wertschöpfungskette. Dadurch können wir schon bei der Pilotierung neuer Produkte und Lösungen wertvolle Kundenrückmeldungen und Erfahrungen sammeln und einfließen lassen. So können wir unsere Kunden schneller und besser bei deren neuen Geschäftsmodellen unterstützen.

Können Sie dazu ein Beispiel nennen?

Bei der Massenproduktion eines Produktes, das über lange Zeit gleichbleibend hergestellt wird, ist es relativ einfach den Prozess zu optimieren. Dieselbe Effizienz wollen wir auch bei flexiblerer, individualisierter Produktion erreichen. Dafür brauchen wir ganz neue Strategien. Insbesondere benötigen wir ein durchgängiges digitales Abbild vom Produkt und dem Produktionssystem. Mit dem sogenannten „digitalen Zwilling“ werden am Computer Abläufe in der Fabrik virtuell simuliert noch bevor sie gebaut wird. Damit können wir im Voraus Änderungen an Produktprozessen abbilden und Alternativen durchspielen.

Ein Anwendungsfall ist beispielsweise die virtuelle Inbetriebnahme von Werkzeugmaschinen. Man nutzt den digitalen Zwilling anstelle der realen Maschine, um die Steuerungssoftware zu testen. So werden Kosten reduziert, weil Fehler frühzeitig ausgebessert werden können und man Beschädigungen an der realen Maschine vermeidet. Das spart Kosten und der Hersteller ist sicher, dass er die Kundenanforderungen optimal erfüllt.

Welche Vorteile ergeben sich durch die Verkürzung des Time-to-Market?

Hersteller verbessern ihre Wettbewerbsfähigkeit, weil sie ihre Produktionskapazitäten steigern können. Es wird möglich, viel besser als bisher auf individuelle Kundenwünsche einzugehen. Dadurch entstehen neue Geschäftsmodelle und der Wirtschaftsstandort wird gestärkt.

Weitere Informationen:
Gainer – das Industriefestival