Luftaufnahme der Tunnelportale des Karawankentunnels © Rudolf Froese / STRABAG Infrastructure & Safety Solutions

Siemens

12.05.2026

Lesezeit 6 Min

Digitale Transformation

Siemens

12.05.2026

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Sicher und staufrei in die Zukunft

Für die Modernisierung des Karawankentunnels kommen die entscheidenden Automatisierungs-, Digitalisierungs- und Sicherheitslösungen von Siemens.

© Rudolf Froese / STRABAG Infrastructure & Safety Solutions DJI_0919-Kopie-1024x768

Sicher und staufrei in die Zukunft

Der Karawankentunnel ist mit seinen fast acht Kilometern Länge Österreichs viertlängster Tunnel und ein zentrales Bindeglied im Verkehrsnetz zwischen Österreich und Slowenien. Mit über 30.000 Fahrzeugen täglich in Spitzenzeiten wurde die einröhrige Strecke zum Flaschenhals, der regelmäßig für Staus und lange Wartezeiten sorgte. Die ASFINAG und ihr Partner Strabag standen vor der Herausforderung, nicht nur die Kapazität zu erhöhen, sondern auch die Sicherheit auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Siemens lieferte dafür die entscheidenden Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen.

“Die Kooperation mit Siemens war geprägt von echtem Teamwork und gegenseitigem Vertrauen. Siemens versorgte uns nicht nur mit einer langlebigen Steuerungslösung, sondern hat proaktiv mit uns an Innovationen gearbeitet – wie der Entwicklung der Übertragung des NTCIP-Protokolls direkt in der Steuerungstechnik. Diese enge Zusammenarbeit war ein echter Mehrwert und hat uns auf der Baustelle enorme Zeit und Kosten gespart.“

Patrick Zwetti, Automatisierungstechniker, Strabag AG

Für ein Projekt dieser Größenordnung war eine ganzheitliche Strategie gefragt. Siemens überzeugte mit einem durchgängigen Automatisierungsportfolio, das von der Steuerungsebene bis zur Leittechnik reicht. Herzstück der Lösung sind 50 redundante SIMATIC-S7-1500H-Steuerungen und das leistungsstarke Leitsystem WinCC OA, das zweisprachig programmiert wurde, um den unterschiedlichen nationalen Vorschriften und Datenanforderungen gerecht zu werden. Insgesamt wurden über 200 Input/Output(IO)-Baugruppen verbaut, um eine umfassende Funktionalität zu gewährleisten. Das ermöglicht nicht nur die zuverlässige Steuerung aller Tunnelkomponenten – von Beleuchtung über Lüftung bis zu den Notrufnischen –, sondern sorgt für eine einfache Wartung und hohe Ausfallsicherheit. Letzteres wird auch durch das Netzwerkkonzept der ASFINAG unterstützt.

Blick auf eine technische Anlage für die redundante Steuerungstechnik im Karawankentunnel zwischen Kärnten und Slowenien© Rudolf Froese / STRABAG Infrastructure & Safety Solutions
Ausfallsicherheit dank redundanter Steuerungstechnik

Ein besonderes Highlight: Das innovative Protokoll NTCIP (National Transportation Communications for Intelligent Transportation System Protocol) ist direkt in die SIMATIC-Steuerung integriert. Das vereinfacht die Anbindung von mehreren hundert Warnverkehrszeichen und beschleunigte die Inbetriebnahme. Die Anbindung an die Mittelspannungsanlage für die Umschaltung zwischen österreichischem und slowenischem Stromnetz zeigt zudem die Flexibilität und Skalierbarkeit der Lösungen.

Blick in den beleuchteten Karawankentunnel zwischen Kärnten und Slowenien, in dem ein Auto fährt© Rudolf Froese / STRABAG Infrastructure & Safety Solutions
Effiziente Anbindung von Verkehrszeichen mit NTCIP

Sicherheit im Fokus

In Zeiten zunehmender digitaler Bedrohungen ist Cybersicherheit auch bei Infrastrukturprojekten unerlässlich. Im Karawankentunnel wurde ein geschlossenes System implementiert, das nach IEC 62443 produktzertifiziert ist. Dies gewährleistet nicht nur eine verschlüsselte Kommunikation, sondern verhindert auch eine Ausbreitung möglicher Angriffe innerhalb des Systems. Die ASFINAG kann sich darauf verlassen, dass ihre kritische Infrastruktur bestmöglich geschützt ist – ein entscheidender Faktor für den reibungslosen Betrieb.

© Siemens

Ein Video- und Detektionsmanagementsystem mit OPC-UA-Anbindung zur Leittechnik leistet ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit. 90 Fixkameras mit Videodetektion überwachen den Tunnel rund um die Uhr und erkennen automatisch sicherheitsrelevante Ereignisse wie Rauchentwicklung, Verkehrsstörungen, Falschfahrten oder stehende Fahrzeuge. Durch die intelligente Analyse in Echtzeit kann die Leitzentrale sofort reagieren und notwendige Maßnahmen einleiten. Ergänzend sorgt eine hochverfügbare Linienbrandmeldeanlage für schnelle und zuverlässige Detektion über die gesamte Länge der Röhren, auch in den Betriebs- und Technikgebäuden. Schon kleinste Temperaturveränderungen werden erkannt und ermöglichen eine frühzeitige Alarmierung – ein entscheidender Faktor für Sicherheit und Reaktionsgeschwindigkeit im Ernstfall. 

Reale Simulation für mehr Effizienz

Ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg war der reale Testaufbau der Steuerungstechnik in einer Büroumgebung. Dieser ermöglichte es der Strabag, alle Komponenten und Funktionalitäten bereits vor dem Einsatz auf der Baustelle umfassend zu testen. Dadurch konnten potenzielle Herausforderungen frühzeitig erkannt und behoben werden, was vor Ort enorme Zeit und Kosten sparte und eine reibungslose Inbetriebnahme sicherstellte. Siemens agierte hier nicht nur als Lieferant, sondern als strategischer Partner, der aktiv an der Entwicklung kundenspezifischer Lösungen mitwirkte. Lange Verfügbarkeit von Ersatzteilen und umfassender Support sorgen für die Langlebigkeit und Betriebssicherheit, die bei einem solchen Infrastrukturprojekt entscheidend ist.

Ab 2029 wird der Karawankentunnel mit zwei modernen Röhren und jeweils zwei Fahrspuren eine neue Ära einläuten. Die Vorteile für die Allgemeinheit sind immens:

Höchste Sicherheit: Kein Gegenverkehr mehr und modernste Automatisierungstechnik garantieren eine sichere Fahrt.
Keine Staus mehr: Die erhöhte Kapazität beseitigt das Nadelöhr und macht Staus zur Geschichte.
Besser vorankommen: Durch die beiden Röhren verkürzen sich die Reisezeiten spürbar.

Der Karawankentunnel ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Siemens-Technologie die Lebensqualität verbessert, Grenzen verbindet und die Zukunft der Mobilität aktiv mitgestaltet.